Impuls

Der Glaube

bringt genug Licht für diejenigen,

die glauben wollen,

und genug Schatten,

um die mit Blindheit zu schlagen,

die es nicht wollen.

 

Blaise Pascal (1623 – 1662)

Französischer Physiker und Philosoph

 

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Spitalkirche

St. Elisabeth

 Wer als Ortsunkundiger an der schlossartig gestalteten Fassade des Spitals von Ellingen, entlang eilt, wird kaum erahnen und bemerken, dass sich im rückwärtigen Teil des großzügigen Komplexes eine reizvolle Kirche befindet. Viele sind mit den geschichtlichen Zusammenhängen nicht so vertraut und werden sich deshalb fragen: Was hat diese innige Verbindung von Profan- und Sakralbau auf sich?

Spitäler sind im Prinzip eine Erfindung des Christentums. Das in Süddeutschland gebräuchliche Wort Spital leitet sich von dem lateinischen „hospitium" (gastliches Haus, Herberge) ab. Die Basis solcher Einrichtungen ist die christliche Nächstenliebe, die in diesem Fall den schwächsten Menschen gilt, den Mittellosen und Unversorgten, den Kranken, den Alten und den Pilgern. Da bekanntlich der medizinischen und hygienischen Versorgung solcher Menschen bis weit in die Neuzeit enge Grenzen gesetzt waren, spielte die menschliche und geistliche Betreuung eine umso größere Rolle. Deshalb sollten die Spitalinsassen die Möglichkeit haben, zu ihrem Trost und zu ihrem Seelenheil das Wort Gottes zu hören und an der Feier der Eucharistie teilnehmen zu können. So ist es zu erklären, dass jedes Spital über eine angeschlossene Kirche verfügte. Sogar bettlägerigen Kranken war die Teilnahme am täglichen Gottesdienst möglich. In Ellingen gibt es zu diesem Zweck sogenannte Oratorien, das sind Räume im Übergangsbereich von Kirche zu Spital mit großen Fensteröffnungen. Eine Gemeinschaft, die sich sehr um das Spitalwesen verdient gemacht hat, ist z. B. der Deutschritter-Orden. Das im 12. Jahrhundert gestiftete Ellinger Spital ist schließlich die Keimzelle für die Niederlassung des Ordens.

Im Jahre 1705 wurde das Spital aus dem Bereich des Schlosses außerhalb der Stadt, an die heutige Stelle verlegt. Diese für ein Spital typische Topographie ist noch heute ablesbar. Das Gebäude befindet sich am Nordrand der Stadt. 1708 konnte die Kirche eingeweiht werden. Das Spital wurde unter dem Landkomtur Carl von Eyb im Jahr 1753 um den die Straße bestimmenden Trakt erweitert und erhielt damit die bis heute erhaltene äußere Form. Der Kirchenraum konnte unter dem Landkomtur Carl Heinrich von Hornstein in der Zeit um 1730-1740 einheitlich ausgestattet werden. Prägend sind der feine Stuck im Regence-Stil von Franz Joseph Roth und die Deckenbilder nach einem theologischen Programm.

Durch große, axial angeordnete Fenster wird der Saalraum belichtet. Die Achsentrennung wird von marmorierten Pilastern markiert. Chor und Laienraum sind architektonisch voneinander geschieden. Die flache Decke erfährt eine Bewegung, indem über den Fenstern kleine Stichkappen gewölbt sind. Vom Selbstbewusstsein des Bauherrn zeugt das Wappen Carl Heinrichs von Hornstein am Triumphbogen. In Anlehnung an die im Spital praktizierte Nächstenliebe ist als Thema des großen zentralen Deckenbildes die wundersame Speisung der Fünftausend, über die alle Evangelisten berichten, gewählt. Ergänzend dazu zeigen die Bilder in den Stichkappen über den Fenstern einige Seligpreisungen aus der Bergpredigt. Die monochromen Bilder in den Zwickelflächen stellen emblematisch die Tugenden dar. Beim Hochaltar ist auf architektonische Elemente verzichtet worden. Er besteht aus Mensa, Tabernakel und dem großformatigen Gemälde, in dem die Kirchenpatronin, die hl. Elisabeth von Thüringen, dargestellt ist, die mildtätig Speisen an Arme verteilt. Der breite Rahmen ist mit üppigen Akanthusranken geschnitzt. Hinter dem Altar ist noch ein Raum abgetrennt, der als Sakristei dient. Auch die Seitenaltäre bestehen nur aus Bildwerken, nämlich einer Kreuzigung und einer Pietä. Stilistisch angepasst sind selbstverständlich die übrigen Ausstattungsstücke, z. B. die Kreuzwegbilder und der Beichtstuhl.

Abgesehen von den Oberflächen, die durch die Alterung im Laufe der Zeit verändert worden sind, hat sich dieses spätbarocke Gesamtkunstwerk mit seiner theologischen Aussage bis heute erhalten. Die abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten waren notwendig geworden, weil durch das undichte Dach der Apsis Teile des Dachwerks geschädigt waren und an Deckenbilden sich Wasserflecken mit Salzausblühung gebildet haben und weil durch die ungünstige Wirkungsweise der Heizungskonvektoren die hellen empfindlichen Oberflächen stark verschmutzt worden sind.

Emanuel Braun